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BMW Group: Clean Production weltweit
Mon Dec 09 12:00:00 CET 99 Pressemeldung
Die BMW Group hat weltweit alle 16 Werke ökozertifiziert - und produziert jetzt nach einheitlichen Umwelt- und Qualitätsstandards: Fit für die Umwelt des 21.Jahrhunderts
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Autor.
Tobias Nickel
BMW Group
Die BMW Group hat weltweit alle 16 Werke ökozertifiziert - und produziert jetzt
nach einheitlichen Umwelt- und Qualitätsstandards: Fit für die Umwelt des
21.Jahrhunderts. So hatte sich niemand Umweltschutzmaßnahmen vorgestellt:
Dunkle Hände trommeln eifrig, so als wären sie mitten im Regenwald des Kongo
oder auf den Savannen der Serengeti. Schwitzende Gesichter lachen sich an,
spontan hat man sich zu einer Drum-Session zusammengefunden. Nur die
dunkelblauen Arbeitskittel, in denen die Männer stecken und das Fließband der
Motorenmontage hinter der Gruppe zeigt, wo sich die Szene abspielt: Mitten in
der wichtigsten Industrieregion des afrikanischen Kontinents, in der
Montagehalle des südafrikanischen BMW Werkes Rosslyn. "Solche Drum-Sessions
sind ein wichtiger Bestandteil der Kommunikations-Offensive, mit der wir den
Gedanken des Umweltschutzes in jeden Mitarbeiter quasi einpflanzen wollen. Die
gemeinsame Erfahrung, das gemeinsame Trommeln, ist ein zentraler Bestandteil
eines BMW Konzeptes, mit dem das Öko-Zert
ifikat nach dem internationalen Standard ISO 14001 in Südafrika erreicht
wurde". Guido Prick schmunzelt noch immer über die für Europäer ungewöhnliche
Szene in einem Industriebetrieb, mit deren Hilfe es der für Umweltarbeit
Zuständige im Werk Rosslyn geschafft hat, diese Anerkennung zu erreichen. BMW
ist damit der erste Autoproduzent, der jetzt weltweit alle Werke nach den
gleichen, strengen Umweltschutz-Standards ausgerichtet hat.
"Mit Flugblättern oder Schulungen kann man in Südafrika kaum jemanden vom
Umweltschutz überzeugen. Allein schon deshalb, weil das Land elf offizielle
Sprachen hat, die nie alle auf ein Stück Papier passen. Also hat sich das Team
um Guido Prick andere Wege ausgedacht. Zwischen den Trommelwirbeln waren
nämlich Botschaften verpackt, die jeder verstehen kann. "S" steht für
Sicherheit. "H" für Gesundheit oder besser für das englische Wort "Health"und
"E" für Environment, also Umwelt. So standen die Arbeitssicherheit und der
Gesundheitsschutz mit auf dem Programm, als das Werk nach Öko- und
Qualitätsmassstäben gleichzeitig modernisiert wurde. Die Bereiche Sicherheit,
Gesundheit und Umwelt lassen sich in einem Land wie Südafrika ohnehin kaum
trennen. Eine Kombination versprach der beste Weg zu sein, die Arbeiter dafür
zu sensibilisieren. "Und sie rücken viel eher mit der Sprache heraus, wenn sie
ihre Gesundheit betroffen sehen," freut sich Guido Prick über die
überwältigende Resonanz. "Und so ganz nebenbei haben wir
der Welt erstes ISO 14001-System dieser Art in der Automobilindustrie
bestätigt bekommen". Mehr als 1400 Umwelt- und Gesundheitsaspekte hat Guido
Prick in zweieinhalb Monaten allein durch eine gezielte Befragung im BMW und
Land Rover-Werk zusammen getragen. Das zur BMW Group gehörende Land Rover-Werk
diente dabei zunächst als Testobjekt im Kleinen.
Gemeinsam mit Kollegen hat Guido Prick alle Aspekte bewertet. Mit "25"
kennzeichnete er den akuten Handlungsbedarf, "1"-Aspekte dürfen noch ein wenig
warten. Der Dringlichkeit nach wurden alle akuten Punkte abgearbeitet. Ende
1999 war es soweit, BMW hatte alle Bereiche der Norm ISO 14001 erfüllt. Bis
dahin war es aber ein langer Weg mit zum Teil verblüffenden Erkenntnissen.
Ein kritischer Punkt war zum Beispiel die Dichtigkeitsprüfung. In einer
"Duschkabine" simulierten die BMW-Ingenieure einen Wolkenbruch, um zu sehen, ob
Wasser in die in Rosslyn gebauten 3 er BMW Karosserien eindringt. Nach der
Prüfung wurde das Wasser einfach in die Kanalisation geleitet. Dreißigtausend
Kubikmeter Naß rauschte so alljährlich durch den Gully - in einem Land mit
Wasserknappheit. Guido Prick ließ zusammen mit Ingenieuren vor Ort die gesamte
Duschkabine neu konzipieren. Heute hat sie drei Kreisläufe, das Wasser wird
praktisch vollständig wiederverwendet. Im Jahr fließen allenfalls noch
fünfhundert Kubikmeter in die Kanalisation - also nicht einmal zwei Prozent der
Ausgangsmenge. Guido Prick erläutert, wie sich Umweltschutz in Mark und Pfennig
rechnet: "240.000 Rand oder 80.000 Mark hat das Ganze gekostet. Bereits nach
eineinhalb Jahren war diese Ausgabe allein durch das gesparte Wasser wieder
drin."
Nicht immer geht es so billig ab. Ein weiteres Problem war die Lackiererei in
Rosslyn. Zwar wurden auch früher die Lösemittel aus der Anlage recycelt. Dabei
und beim Transport aber gab es immer gewisse Umweltrisiken. Als die Kapazität
des Werkes für den Export von Fahrzeugen erweitert werden sollte, wagte man als
erster Hersteller in Afrika den Schritt in die Wasserslacktechnologie. In
Deutschland ist das erst seit wenigen Jahren Stand der Technik. In Südafrika
macht es kaum jemand, weil der Gesetzgeber solche Umweltschutzmaßnahmen
schlicht nicht vorschreibt. Heute werden in Rosslyn täglich 150 Karosserien mit
einer Mischung aus 70 Prozent Wasser und nur noch zehn Prozent Lösungsmittel
lackiert. Vor dem Aufsprühen werden die winzigen Lacktröpfchen elektrostatisch
aufgeladen und daher von der Stahlkarosserie stark angezogen. "Der Lack landet
so auf dem Blech, nur wenige Prozent gelangen in das Auswaschsystem", erklärt
Prozeßleiter Christoph Schwartz den Vorteil. BMW spart damit Geld, und
gleichzeitig wird die
Umwelt entlastet. Sämtliche Abwässer werden aufbereitet. Die Lösungsmittel
werden erst destilliert und können dann weiter verkauft werden. So zieht das
Werk aus dem Umweltschutz auch einen Ertrag. Weltweit gibt BMW rund 18
Millionen Mark für die Beseitigung nicht mehr verwendbaren Abfalls aus, nimmt
aber etwa 80 Millionen Mark mit dem Verkauf von rezyklierbaren Stoffen ein.
Inzwischen wollen auch andere Hersteller in Südafrika neue Lackierereien für
Wasserlacktechnologie bauen. Damit wird eine neue Dimension im internationalen
Wettbewerb sichtbar. Umweltfreundliche Technologien können durch Global Player
schneller verbreitet werden als durch gesetzliche Vorschriften.
Auch in anderer Hinsicht könnte sich das Umwelt-Engagement von BMW auszahlen.
Das Öko-Zertifikat führt dazu, daß der weiß-blaue Autoproduzent im Dow Jones
Sustainability Group Index (DJSGI), einem Finanzindex von Banken und
Investmentfonds, mit der ethisch korrektes Verhalten von Unternehmen ganz oben
gelistet wurde. So ist BMW der einzige Autohersteller, der zu den 18 Firmen
zählt, die in diesem "Dow Jones Sustainability Group Index" als Branchenerste
aufgenommen wurden. Dieses Rating könnte einige langfristig denkende,
potentielle Geldgeber dazu bewegen, ihre Finanzen eher bei ökologisch
ausgerichteten Betrieben zu investieren als andernorts. Nicht zuletzt, weil der
Nachhaltigkeits-Index im Jahr 1998 doppelt so schnell gewachsen ist wie der
normale Dow-Jones: Umweltverantwortung mit Rendite und Zukunft.